Der China-Schock
“Der China-Schock ist da“, titelte das Institut der Deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr. In der Tat: 2025 wird als das Jahr gelten, in dem der China-Schock nicht mehr zu leugnen war. Deutschlands Handelsbilanzdefizit gegenüber China erreichte den Rekordwert von 87 Milliarden Euro, ein Plus von 20 Milliarden im Vorjahresvergleich. Exporte nach China sind im freien Fall. Mittlerweile sind die USA, Frankreich, die Niederlande, Polen und Italien für Deutschland wichtigere Exportländer als China.
Chinas Wirtschaftsmodell setzt fest auf globale Dominanz in deutschen Traditionsindustrien wie Automobil, Maschinenbau und Chemie, ebenso wie in Zukunftsindustrien wie Robotik und Biotechnologie. Peking nutzt dabei nicht nur die Skalenvorteile des riesigen Heimatmarkts und tätigt weitsichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung. Es spielt auch die umfassenden Möglichkeiten des autoritären Staatskapitalismus aus, um den eigenen Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Außerdem missbraucht China seine Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation.
Anfang dieses Jahrtausends betrug Chinas Anteil an der globalen Industrieproduktion 6 Prozent; heute liegt er bei rund 30 Prozent. Aufgrund schwacher Binnennachfrage drückt Peking davon immer mehr zu Kampfpreisen auf den Weltmarkt. China strebt an, alle relevanten Industrie- und Hochtechnologiegüter selbst herzustellen. Der Asien-Chef der Financial Times fasste es nach einer China-Reise im vergangenen Herbst so zusammen: „Es gibt nichts, was China importieren möchte – nichts, von dem es nicht glaubt, es besser und günstiger selbst herstellen zu können, und nichts, bei dem es sich auch nur einen Tag länger als unbedingt nötig auf Ausländer verlassen will.“ 2025 hatte China einen Handelsbilanzüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar.
Die Folgen für die deutsche und europäische Industrie sind dramatisch. Deutsche Unternehmen in China haben die Produktion stark lokalisiert und importieren immer weniger aus Europa für den Verkauf in China. Gleichzeitig sinken die Marktanteile vieler deutscher Unternehmen in China beständig. Chinesische Unternehmen verdrängen die deutsche Konkurrenz zudem systematisch auf Drittmärkten. Ohne Gegenmaßnahmen droht das auch auf dem europäischen Markt. Allein auf dem deutschen Markt, etwa im Maschinenbau, nehmen chinesische Importe massiv zu. Preisvorteile chinesischer Anbieter von oft bis zu 30 Prozent setzen deutsche Firmen unter massiven Wettbewerbsdruck, gespeist aus niedrigeren Produktionskosten, staatlicher Subventionspolitik und dem gezielten Wechselkursmanagement Pekings. Erstmals ist Deutschland im Schlüsselbereich Kapitalgüter insgesamt gegenüber China ins Defizit geraten. In der Automobilindustrie steigen Chinas Exporte exponentiell, von weniger als eine Million Fahrzeuge 2020 auf sieben Millionen in 2025.
Deutschland droht eine massive Deindustrialisierung mit gravierenden sozialen und politischen Verwerfungen. Seit 2019 hat Deutschland weit über 200.000 Industriearbeitsplätze verloren. Weitere Hunderttausende gut bezahlte Arbeitsplätze drohen wegzubrechen, gerade in der Automobilindustrie. Gewerbesteuereinnahmen insbesondere in Industriestandorten in Süddeutschland brechen ein. Langsam wird klar, was auf dem Spiel steht. „Wenn wir es falsch machen, droht uns das Schicksal von Detroit“, sagte unlängst etwa Manuel Hagel, CDU-Ministerpräsidentenkandidat in Baden-Württemberg. Die einstige Hochburg der US-Autoindustrie zählt heute zu den ärmsten Metropolen des Landes.
Vom Lieferanten zum Lenker
Dazu kommt, wie das Handelsblatt im November 2025 titelte, die „China-Falle“ der Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, Lieferketten und kritischer Infrastruktur (wie dem 5G-Netz oder Wechselrichtern im Stromnetz). Peking ist zu einem Großmeister darin geworden, Abhängigkeiten als Waffe einzusetzen. Bei kritischen Rohstoffen dominiert China den Weltmarkt: Ein Marktanteil von 91 Prozent bei der Weiterverarbeitung Seltener Erden spricht eine deutliche Sprache. Bei der Förderung liegt der Anteil bei rund 60 Prozent. Strategisch besonders bedeutsame schwere Seltene Erden werden zudem nahezu ausschließlich in China, Myanmar und Laos abgebaut.
Anfang Oktober 2025 verkündete die chinesische Führung ein verschärftes Exportkontrollregime. Demnach muss jedes Unternehmen im Ausland eine Genehmigung nicht nur für den Import von kritischen Rohstoffen beantragen, sondern auch für den Weiterverkauf jeglicher Güter, bei denen die Seltenen Erden auch nur 0,1 Prozent des Produktwerts ausmachen. Peking gab zudem bekannt, für die Rüstungsindustrie würden keinerlei Lizenzen erteilt. Als „verantwortungsvolle Großmacht“ habe man das neue Kontrollregime eingeführt, „um den Weltfrieden und die regionale Stabilität besser zu wahren“. Ein Forscher der parteistaatlichen Chinese Academy of Social Sciences gab stolz zu Protokoll, dass China vom „Lieferanten“ zum „Lenker“ der „Seltenen-Erden-Ordnung“ werde.
Xis Parteistaat kündigt also nichts weniger an, als den europäischen Bemühungen zum Wiederaufbau der Streitkräfte den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Peking kann zudem mit dem Kontrollregime die Produktion in zentralen Industriebereichen lahmlegen. Mit detaillierten Anträgen für Exportgenehmigungen zwingt Peking deutsche Unternehmen zur Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen. Der Aufbau von Reserven soll verhindert werden. Die Botschaft an deutsche Unternehmen ist klar: Produziert in China oder geht Kooperationen mit chinesischen Unternehmen ein. Ebenso deutlich ist die Botschaft an westliche Regierungen: Denkt nicht daran, weitere Beschränkungen gegenüber China beim Zugang zu Hochtechnologie zu erlassen, sondern nehmt bestehende Kontrollen zurück.
Pekings Kontrollregime ist weit mehr als eine Retourkutsche für US-Exportbeschränkungen. Washington verfolgt Kontrollen für bestimmte Hochtechnologiesegmente, mit bislang überschaubaren Auswirkungen auf die industrielle Produktion. Pekings Ansatz hingegen zielt auf die Kontrolle der kompletten Industrieproduktion. Dass Peking das verschärfte Exportkontrollregime nach Verhandlungen mit den USA für ein Jahr pausiert hat, kann für Deutschland und Europa keine Entwarnung sein. Die aktuell gültigen Bestimmungen führten bereits zu Produktionsengpässen.
Wie gravierend die Abhängigkeiten bei Lieferketten sind, zeigte vergangenen Herbst die Nexperia-Krise. Nachdem die niederländische Regierung gegen den chinesischen Eigentümer des Chip-Herstellers vorging, stoppte die chinesische Regierung die Ausfuhr der Halbleiter, die zwar größtenteils in Europa produziert werden, aber zum letzten Arbeitsschritt der Montage und Verpackung nach China gebracht werden. Das chinesische Vorgehen gegen einen einzigen Hersteller legte in Deutschland Bänder still, weil Zulieferer von Automobilherstellern weder ausreichende Lagerhaltung betrieben hatten noch schnell auf alternative Anbieter zugreifen konnten. Abhängigkeiten von China würden durch eine industrielle Entkernung weiter dramatisch steigen.
China muss die umfassenden Lieferkettenabhängigkeiten nicht einmal als Waffe einsetzen. Sie sind auch so ein großes Risiko, wie die Covid-Pandemie gezeigt hat. Auf Szenarien wie etwa eine chinesische Blockade Taiwans bis hin zu einem möglichen Krieg sind deutsche und europäische Lieferketten mitnichten vorbereitet.
Ein Schock mit Ansage
Deutschland hat sich in den vergangenen 15 Jahren fahrlässig in eine Position der Schwäche und Erpressbarkeit gegenüber Pekings autoritärem Staatskapitalismus manövriert. Dies ist ein kollektives Versagen der Mehrheit der deutschen Eliten. Zu den Gründen gehören Arroganz und Verblendung genauso wie falsche Anreizstrukturen und kurzfristige Profitinteressen. Die kognitive Fehlleistung ist umso bemerkenswerter, als China seine Absichten fast immer klar kommuniziert hat – in Planungsdokumenten, Reden und Taten.
Schon 2010 setzte die chinesische Regierung Abhängigkeiten bei Seltenen Erden gegenüber Japan als Waffe ein, um in außenpolitischen Fragen Wohlverhalten zu erpressen. In einer Rede im April 2020 sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping sehr klar, dass man in allen sicherheitsrelevanten Bereichen vom Ausland unabhängig werden wolle. Gleichzeitig müsse man die „Abhängigkeit internationaler Produktionsketten von China erhöhen“. Die 2015 veröffentlichte „Made in China 2025“-Strategie detaillierte den Masterplan für den Aufstieg zur dominanten Industriemacht. Die chinapolitische Denkfabrik Merics sprach damals von einer „Kampfansage an Deutschland“. Eine ausführliche Merics-Studie machte klar, dass Deutschlands Industrie in ihrem Kern durch die chinesischen Ambitionen bedroht würde.
Doch die Mehrheit der Eliten in Wirtschaft wie Politik hat die Gefahr nicht ernst genommen. Ein Grund dafür ist Arroganz. „China kann bestenfalls kopieren. Wir werden immer einen Innovationsvorsprung haben“, so die verbreitete Überzeugung. Tief wirkte zudem die Erfahrung, dass die deutsche Industrie sich in den vergangenen acht Jahrzehnten immer erfolgreich gegen Konkurrenz auf dem Weltmarkt behauptet hat. Warum sollte es mit China anders sein als mit Japan und Südkorea, argumentierte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz.
Das Beispiel der deutschen Solarindustrie, dessen Geschäft in den 2010er Jahren fast komplett nach China abwanderte, ignorierte Scholz geflissentlich. Scholz zeigte sich zutiefst überzeugt von der Überlegenheit des demokratischen Modells und sagte, dass die internen Widersprüche des chinesischen Modells zur Stagnation in der „mittleren Einkommensfalle“ führen würden. Selbst wenn Scholz damit langfristig Recht behalten sollte: Es ist komplett widersinnig, als Kanzler dafür zu sorgen, dass Europa der Schwamm bleibt, der bereitwillig chinesische Überkapazitäten aufnimmt, ohne Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Damit garantierte er, dass das aus seiner Sicht scheiternde chinesische Wirtschaftsmodell uns vorher in den Abgrund reißt.
Im Privatsektor spielten Anreizstrukturen für Manager eine zentrale Rolle. Dax-Vorstände denken in kurzen Zeithorizonten. Selbst wer die Gefahren sah, der entschied sich doch meist für die kurzfristigen Profite auf dem chinesischen Markt, solange diese noch sprudelten, statt sich für einen langfristig orientierten Strategiewechsel einzusetzen. So tut die deutsche Automobilindustrie heute immer noch so, als könne man gegenüber China weiter auf komplett offene Märkte setzen. Zu groß ist die kurzfristige Sorge um den Export der letzten Benziner-Luxuskarossen nach China sowie das Interesse am Import von in eigenen chinesischen Werken produzierten Elektrofahrzeugen. Es ist kein Zufall, dass es Familienunternehmer waren und nicht Dax-Vorstände, die als Erste die Alarmglocken läuteten und dem BDI die notwendige politische Unterstützung innerhalb des Verbands für das wegweisende Grundsatzpapier aus dem Jahr 2019 zu China als „systemischem Wettbewerber“ sicherten.
Die Anreize, auf Kosteneffizienz ohne Resilienz zu setzen, verhindern weiterhin Investitionen in die Verringerung von Abhängigkeiten. Vor einigen Jahren wurde ein Vertreter eines an kritischen Rohstoffen reichen Partners Deutschlands in Wolfsburg mit der Idee vorstellig, Volkswagen solle aus wohlverstandenem Eigeninteresse in Förderung und Verarbeitung von kritischen Rohstoffen investieren, um die Abhängigkeiten von China zu verringern. Interesse: null. Zu fernliegend schien den Volkswagen-Managern, Zeit und Geld in die Hand zu nehmen, um vermeintlich abseits des Kerngeschäfts in die Sicherung von Lieferketten zu investieren. Der gesamte Westen hat bereitwillig das dreckige Geschäft mit geringen Margen bei Seltenen Erden und kritischen Rohstoffen an China ausgelagert. Und nach dem Nexperia-Schock im vergangenen Herbst schlussfolgerte der BMW-Einkaufsvorstand, dass es klug sei, verstärkt Halbleiter in China einzukaufen – schließlich produziere China billig.
Zudem verhinderte Angst vor Vergeltungsmaßnahmen gegen deutsche Unternehmen auf dem chinesischen Markt lange Zeit, dass Deutschland kritische Infrastruktur wie das 5G-Mobilfunknetz vor Abhängigkeiten von chinesischen Anbietern wie Huawei schützte.
Zwei gefährliche Denkschulen
Der vielleicht entscheidende Aspekt des Umgangs mit dem China-Schock ist kognitiv. Zunächst einmal geht es um das Erfassen des Ausmaßes der Umwälzungen und der Tiefe der Abhängigkeiten: „Die industrielle Geschichte des Westens war das Vorwort zur industriellen Geschichte Chinas“, formuliert der Historiker Adam Tooze. Die Geschichte der Moderne werde ab jetzt eine sinozentrische sein: „Dies ist die materielle Entthronung des Westens als zentraler Motor der Weltgeschichte. So sieht die Provinzialisierung des Westens aus.“ Toozes Worte sind eine ernstzunehmende Warnung. Die entscheidende Frage ist, welche Schlussfolgerungen Deutschland und Europa daraus ziehen und ob sie es schaffen, ihr Wirtschaftsmodell für diese neue Ära weiterzuentwickeln. Dabei sollten wir uns vor zwei falschen Denkschulen hüten.
Die erste Denkschule ist die des Defätismus. Demnach könne Europa gegen die industrielle Übermacht Chinas eh nichts ausrichten. In einer Situation, in der sich die USA unter Trump zum Gegner Europas entwickeln, solle Europa sich geräuschlos in eine sinozentrische Ordnung einfügen und mit den Krumen zufrieden sein, die vom Tisch abfallen. In einer Variante dieser Weltsicht federn gute Beziehungen mit China die Verwerfungen im Verhältnis mit den USA ab – als ob der weltgrößte Nettoexporteur China den wegbrechenden transatlantischen Handelsüberschuss kompensieren könnte.
In einer anderen Variante wird sie normativ veredelt. Die Dominanz Chinas mit seiner führenden Rolle bei grünen Technologien sei der beste Weg, um der Klimakatastrophe zu begegnen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Isabella Weber argumentiert, es sei eine „Chance“ für Europa, die eigene „Peripherisierung“ zu akzeptieren. Dekadente Selbstaufgabe fühlte sich noch nie so gut an.
Die zweite Denkschule geht davon aus, dass Deutschland und Europa schlicht wettbewerbsfähiger werden müssen: durch mehr Innovation, den Abbau von überbordender Regulierung im EU-Binnenmarkt sowie die Senkung der Energie- und Lohnnebenkosten. All das ist richtig. Es ist klug, Handelsabkommen etwa mit Indien und Lateinamerika zügig in Kraft zu setzen. Doch ohne Selbstschutz wird dies angesichts des autoritären Staatskapitalismus in China (wie auch des Interventionismus Trumps, Putins und der Golfstaaten) nicht ausreichen.
Ein neues Modell für mehr Marktmacht
Vielmehr bedarf es eines neuen Modells der Systemwettbewerbsfähigkeit, das den Wohlstand und die Sicherheit Deutschlands entschlossen stärkt. Dies umfasst Maßnahmen zur radikalen Reduzierung von Abhängigkeiten und Schutz von Kernindustrien ebenso wie Investitionen in neue Stärken. Die Ironie ist dabei: Chinas autoritärer Staatskapitalismus zwingt uns selbst Staatsintervention auf, um uns aus dem Würgegriff Pekings zu befreien. Neue Anbieter von kritischen Rohstoffen entstehen angesichts von Pekings Markt- und Preismacht nur, wenn staatliche Rahmensetzung Nachfrage garantiert. Und nur wenn unsere Gesundheitssysteme höhere Preise für Medikamente zu zahlen bereit sind, können wir uns von den Abhängigkeiten aus der chinesischen Produktion lösen. Dabei geht es nicht um Autarkie: Eigene Marktmacht kann Europa am besten im globalen Zusammenspiel mit gleichgesinnten Partnern aufbauen.
Bei industriepolitischen Maßnahmen gilt es, nicht um jeden Preis die Traditionsindustrien zu konservieren, sondern jene gezielt zu stärken, die zukünftige Wertschöpfung, Produktivitätswachstum und Resilienzgewinne versprechen. In einzelnen Bereichen (etwa bei Solarpaneelen) kann eine Importabhängigkeit von China in Gesamtabwägung akzeptabel sein, sofern Sicherheitsbedenken bei kritischen Komponenten adressiert werden. Mit Blick auf grüne Technologien ist Dekarbonisierung aber nicht um den Preis europäischer Selbstaufgabe zu erreichen: Ohne glaubhafte Perspektive, auch in Europa neue Wertschöpfung und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen, wird der Klimaschutz weiter an politischem Rückhalt verlieren. Staatliche Eingriffe müssen den strukturellen Kostenvorteil eines künstlich schwachen Renminbis berücksichtigen, um zu verhindern, dass weitere deutsche Kernindustrien den Weg der Solarindustrie gehen.
Eines sollten Deutschland und Europa nicht vergessen: Das chinesische Modell hat erhebliche strukturelle Schwächen und ist auf kaufkräftige Abnehmer für seine riesigen Exportüberschüsse angewiesen. Dies bedeutet einerseits einen mächtigen eigenen Hebel, andererseits aber auch, dass Peking einem potenziell entschlosseneren europäischen Umgang mit Subventionen und Wechselkursmanipulation mit aller Macht entgegentreten wird. Seit mehr als einem Jahrzehnt härtet Xi das eigene System für den Kampf mit dem Westen.
Wider die Ludwig-Erhard-Nostalgie
Deutsche und europäische Selbstbehauptung gegenüber Xi (und auch Trump) werden nur gelingen, wenn wir uns ebenso härten. Das bedeutet konkret, ein stärkeres Bewusstsein für die eigenen Abhängigkeiten zu schaffen, die wichtigsten Verwundbarkeiten entschlossen abzubauen, eigene Hebel zu identifizieren und diese mit Überzeugung im europäischen Verbund gegen Zwangsmaßnahmen einzusetzen, wenn es darauf ankommt.
Der neu geschaffene Nationale Sicherheitsrat muss im Kern auch ein Wirtschafts- und Technologiesicherheitsrat sein, und die Wirtschaftsministerin eine Wirtschaftssicherheitsministerin. Statt Ludwig-Erhard-Nostalgie brauchen wir entschlossene Investitionen in Economic Statecraft, also in die Fähigkeiten zur wirtschaftlichen und technologischen Machtpolitik. Und bei all dem müssen wir den Hunger auf die Gestaltung von Zukunft wiederentdecken. Hier können wir nicht zuletzt von China lernen.
Dieser Artikel wurde erstmals am 23. Februar 2026 in der Internationale Politik veröffentlicht.