Lokale Friedensförderung unter Druck
Finanzflüsse und Machtdynamiken
Der massive Rückzug bislang führender westlicher Geberregierungen, allen voran der USA, stellt die internationale Friedensförderung – und insbesondere die Debatte um Lokalisierung – vor eine beispiellose Herausforderung. Neben erheblichen Finanzierungslücken sind zentrale Partnerschaftsmodelle weggebrochen, in denen lokale Akteure eine Schlüsselrolle spielen.
Besonders hart trifft dies lokale Friedensorganisationen. Viele mussten oder müssen ihre Arbeit einstellen. Der Geberrückzug wirkt sich damit nicht abstrakt auf Budgets aus, sondern untergräbt die praktische Umsetzung zahlreicher Friedensinitiativen. Gleichzeitig deuten einige lokale Akteure die aktuelle Lage als Chance, Abhängigkeiten von traditionellen Gebern zu verringern und langfristig eigenständiger zu agieren.
Parallel dazu haben die Budgetkürzungen bei internationalen Gebern das Interesse an Lokalisierung verstärkt – jedoch häufig weniger aus partnerschaftlichen oder wirkungsorientierten Erwägungen, sondern primär als Instrument zur Kostensenkung. Damit gewinnt Lokalisierung politisch an Bedeutung, droht jedoch zugleich lokale Partnerorganisationen zu überfordern, da diese oft noch auf die Zusammenarbeit mit Mittlerorganisationen für administrative Aufgaben und Risikomanagement angewiesen sind.
Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in dieser Studie die Frage, ob westliche Geber ihre Zusagen hinsichtlich der Lokalisierung von Friedensinitiativen einlösen. Trotz unterschiedlicher Auffassungen darüber, wie wirksame Friedensförderung ausgestaltet sein sollte, besteht unter internationalen Gebern weitgehend Einigkeit darüber, dass lokalen Akteuren eine zentrale Rolle zukommt.
In unserer Analyse konzentrieren wir uns auf folgende Fragen: Halten sie tatsächlich, was sie versprechen und setzen ihre Worte in Taten um? Welchen Anteil ihrer Friedensförderung geben die Geber lokal aus? Wer trifft welche Entscheidungen in lokalen Friedensprojekten? Wie gestalten verschiedene Akteure – lokale Zivilgesellschaft, staatliche Institutionen, Mittlerorganisationen und Geber – den Umsetzungsprozess?
Die hier präsentierten Ergebnisse bauen auf der Studie „Peace & Security Aid in Crisis: Rethinking Civilian Investment and Local Leadership“ (2025) auf, die (1) die Finanzierungsmuster der größten Geber für Frieden und Sicherheit analysiert und (2) die Finanzflüsse und Machtdynamiken in der lokalen Friedensförderung untersucht. Das vorliegende Papier stellt die Ergebnisse des zweiten Teils der Gesamtstudie gekürzt vor.
Ein ergänzendes Papier „Sicherheit fördern in Krisen und Konflikten. Stabilisierung und Friedensförderung neu aufstellen“ (2025) stellt die Ergebnisse der ersten Analyse vor und entwickelt darüber hinaus ein Logikmodell, das zentrale politische Abwägungen bei der Priorisierung knapper Ressourcen nachvollziehbar und transparent macht. Die Publikationen wurden dank der Mittel der Robert Bosch Stiftung ermöglicht.